Geschichte der Stadtmission Karlruhe:
Suchet der Stadt Bestes

Beständigkeit im Wandel   

„Es wandeln sich die Reiche, es wandelt sich die Welt, doch Gott, der bleibt der gleiche, der sie zusammenhält.“ schreibt Hermann Claudius.

Ein Verein, der sein 130-jähriges Bestehen feiern kann, hat viele Wandlungen in der Gesellschaft erlebt und auch überlebt.

Der Evangelische  Verein für Stadtmission in Karlsruhe entstand 1915 aus dem „Evangelischen Verein“ und der „Evangelischen Stadtmission“. Die Wurzeln reichen bis 1882, dem Höhepunkt der Industrialisierung. Verstädterung und Entkirchlichung waren ein neuartiges gesellschaftliches Phänomen. Die Amtskirche war offensichtlich überfordert, verantwortungsbewusste Christen wurden aktiv. Ein Stadtmissionar wurde in den hauptamtlichen Dienst berufen. „Es galt, Arme und Kranke zu besuchen, zu helfen, wo junge Menschen gefährdet waren oder ohne Arbeit, Gottesdienste zu halten und, als eine der vornehmsten Aufgaben, die Kinder in der Sonntagsschule zu sammeln“, schreibt die Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum. 

Einige neue Altenheime wurden erröffnet

Bereits 1884 konnte das erste, eigene Gebäude in der Adlerstraße bezogen werden, in dem auch der CVJM beheimatet war. 1888 kam der erste ambulante Pflegedienst für Männer in Karlsruhe dazu. 1902 wurde das Frommelhaus in der Kreuzstraße eröffnet, 1912 mit dem „Zufluchtsheim“ in der Marie-Alexandra-Straße das erste Karlsruher Frauenhaus. Ein zentrales Thema war vor allem die praktische Hilfe für Frauen. 

1910 wurde die Blau-Kreuz-Arbeit zur Hilfe gegen Alkoholabhängigkeit begonnen. Im „Grünen Hof“ in der Kriegsstraße war zunächst ein Lehrlingswohnheim, das 1932 zum Wohnheim für alleinstehende ältere Männer wurde. Unmittelbar nach Kriegsende 1945 wurde  in der Kriegsstraße der ehemalige „Nassauer Hof“ in ein Altenheim umgewandelt, der große Saal beherbergte lange Jahre die Veranstaltungen der Evangelischen Stadtmission.

Der Schwerpunkt verlagerte sich auf die Altenarbeit. Mit dem Wichernheim in Mühlburg und dem Matthias-Claudius-Heim in der Bunsenstraße sowie dem neu erbauten Benckiser-Stift in der Stephanienstraße wurde dies deutlich. Später kamen noch das Agnes-Karll-Haus in Rüppurr, das Franz-Rohde-Haus und das ehemalige Rotkreuz-Heim dazu.

Neuland: Einrichtung für psychisch Kranke und Schwerbehinderte

In den 1970er-Jahren wurde im Frommelhaus mit der Betreuung psychisch Erkrankter ein neues Betätigungsfeld eröffnet. Mit der Ausbildung der hauswirtschaftlichen Helfer fand eine Rückkehr zu den Wurzeln statt. Kurzzeitig wurde auch eine Altenpflegeschule in der Marie-Alexandra-Straße betrieben.

Zur Jahrtausendwende wurde mit der Tagespflege in Stutensee, den betreuten Wohnanlagen in Stutensee und der Stephanienstraße und dem Paul-Gerhardt-Haus für mehrfach schwerbehinderte junge Menschen abermals Neuland betreten.

Die Aufgabe der ambulanten Pflege wurde wenige Jahre später durch die Übernahme der Evangelischen  Sozialstation Karlsruhe revidiert. Die Evangelische Stadtmission Karlsruhe ist und bleibt ein professioneller und verlässlicher Partner mit, der sich  immer wieder seiner Aufgabe stellt: „Suchet der Stadt Bestes!“