Evangelische Stadtmission Karlsruhe e.V.

Altersdepression kann tragisch enden

21.06.2013

Hilfe ist möglich!

Eines Morgens stand er auf und sagte zu seiner Betreuerin, er habe in der Nacht schlecht geschlafen. Dann lief er davon, stieg auf einen Balkon und stürzte sich in die Tiefe. Ein 85-jähriger Heimbewohner beging Selbstmord. Er hinterließ seine Angehörigen, Freunde, Mitbewohner und Betreuer ratlos zurück. Einen Abschiedsbrief fand die Polizei nicht. Alles, was jetzt noch bleibt, sind Vermutungen über den Grund des Suizids und die Frage danach, wie es passieren konnte. „Natürlich macht man sich Vorwürfe, man fragt sich, ob man das als Betreuer nicht hätte kommen sehen müssen. Aber manchmal gibt es einfach keine Anzeichen“, sagt seine Betreuerin. „Besonders tragisch ist, dass nur wenige Tage zuvor, sein Freund verstarb. Immerhin hat er täglich bei der Betreuung des schwer pflegebedürftigen Mitbewohners geholfen. Beide befanden sich auf der gleichen Station. Er hatte so eine ständige Aufgabe.“ Durch den Tod des Freundes verlor der 85-Jährige diese Aufgabe und damit auch seinen Lebensmut.

Altersdepressionen sind auf den ersten Blick kaum zu erkennen

Vielen älteren Menschen geht es mit zunehmendem Alter ähnlich. Sie sehen keinen Sinn mehr in ihrem Leben und glauben nichts mehr zu haben, auf das sie sich freuen können. Etwa jeder zweite Mensch, der in Deutschland Selbstmord begeht, ist über 60 Jahre alt. Altersdepressionen sind auf den ersten Blick kaum zu erkennen, oftmals verstecken sie sich hinter körperlichen Leiden, wie Schmerzen oder den Nebenwirkungen von Medikamenten. Gerade ältere Menschen sind gebrechlich und leiden an körperlichen Beschwerden. So werden Symptome wie Herzklopfen, Schwindel oder Schwitzanfälle und Übelkeit vom behandelnden Arzt nicht gleich einer Depression zugeordnet. Deutlicher wird es dann, wenn weitere Zeichen hinzukommen. So macht auf einmal das geliebte Hobby keinen Spaß mehr oder die Stimmung geht deutlich zurück. Auch Menschen, die nicht mehr ins Freie möchten und sich nur noch in ihren eigenen vier Wänden aufhalten, können von Depressionen betroffen sein. 

Erfolgreiche Therapien

Mittlerweile zählen Depressionen zu den häufigsten psychologischen Erkrankungen in Deutschland und können in jedem Lebensabschnitt auftreten. Ihre Folgen sind jedoch mit zunehmendem Alter immer verheerender. Ab dem 60. Lebensjahr wird die Selbstmordrate häufiger, ab einem Alter von 70 Jahren nimmt sie enorm zu. Während Depressionen in jüngeren Jahren bei Frauen häufiger vorkommen als bei Männern, ist es im hohen Alter umgekehrt. Die Suizidrate ist bei 90-jährigen Männern etwa dreimal so hoch wie bei den 20 bis 40 Jährigen.

Mit verschiedenen Therapien kann eine Altersdepression erfolgreich behandelt werden. Dazu gehören zum Beispiel die Psychotherapie oder die Lichttherapie. Auch Medikamente wie Antidepressiva können gut helfen, allerdings wirken diese erst nach einiger Zeit der Einnahme. Wichtig ist auch eine familiäre, ärztliche und seelsorgerische Begleitung des Patienten. Angehörige sollten den Betroffenen niemals verurteilen und nie unter Druck setzen. Sie sollten dem Betroffenen unbedingt zu einer Therapie verhelfen und die Erkrankung ernst nehmen.

Weitere Informationen zum Thema „Depressionen im Alter“ erhalten Sie im Kundenzentrum der Karlsruher Stadtmission: 0721-9176162

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